Archiv für Oktober 2014

Gedenkveranstaltung für die Opfer des Holocaust am Sonntag, 09. November 2014

Der Arbeitskreis „9. November Lemgo“ lädt Sie herzlich ein, an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen!

17.30 Uhr, Programm am Frenkelhaus, Echternstraße 70 in Lemgo:

- Begrüßung durch den Arbeitskreis 9. November Lemgo
- Beitrag der Realschule Lemgo
- Beitrag des Engelbert-Kaempfer-Gymnasiums

Anschließend gehen die Teilnehmer/innen schweigend zur Mahn- und Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge.

18.00 Uhr Fortsetzung der Gedenkstunde an der Mahn- und Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge, Neue Straße in Lemgo

- Bürgermeister Dr. Reiner Austermann
- Musikschule Lemgo
- Beitrag der Israel-AG der Karla-Raveh-Gesamtschule
- Pfarrerin Maren Krüger für den Stadtkonvent der Kirchengemeinden Lemgo

- Zeit der Stille -

- Musikschule Lemgo
- Beitrag der Karla-Raveh-Gesamtschule (Fürbitten)
- Beitrag des Marianne-Weber- Gymnasiums und der Karla-Raveh-Gesamtschule

Arbeitskreis 9. November Lemgo

Bückeburger Verhältnisse

Im niedersächsischen Landkreis Schaumburg befindet sich die Residenzstadt Bückeburg mit dem Sitz des niedersächsischen Staatsgerichtshofes, des Landkreisamtes und des Landgerichts. In diesem Landkreis konnten über Jahrzehnte hinweg neonazistische Gruppen und Strukturen meist ungestört agieren und sich verfestigen. In den 1970er und 1980er Jahren waren es vor allem JN- und NPD-Strukturen, die in der Öffentlichkeit ein gewalttätiges Straßenbild prägten, in den Jahren 2000 bis 2007 vor allem freie Kameradschaften, die Antifaschist_innen und Andersdenkende bedrohten, verprügelten oder sogar entführten. Bis heute sind die freien Kameradschaften ein fester Bestandteil der bundes- und insbesondere der norddeutschen Neonaziszene. Im Jahr 2011 organisierten sie den größten Neonaziaufmarsch Norddeutschlands mit internationaler Beteiligung. (mehr…)

LeseTipp’s: „Rechte Euro-Rebellion“ und „Sarrazins Correctness“ von Andreas Kemper

Andreas Kemper
Rechte Euro-Rebellion
Alternative für Deutschland und Zivile Koalition e.V.
120 Seiten, 12.80 Euro
ISBN 978-3-942885-49-2

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Andreas Kemper
Sarrazins Correctness
Ideologie und Tradition der Menschen- und Bevölkerungskorrekturen
178 Seiten, 13.00 Euro
ISBN 978-3-89771-561-5

Rechtsrock im alten Bahnhof

In Ehlenbruch trifft sich eine Gruppe mit Verbindungen in die einschlägige Szene

Lage-Kachtenhausen/Ehlenbruch. Unbemerkt von der Öffentlichkeit ist der Bahnhof Ehlenbruch in den Besitz von Mitgliedern der Road Crew OWL übergegangen – einer Gruppe mit Kontakten in die hiesige rechte Szene. Bis 2011 hatte die Road Crew ihr Clubhaus am Hellweg in Billinghausen (die LZ berichtete) und hat nun eine neue Bleibe gefunden. Dort pflegt die Road Crew ihr Gedankengut – unter anderem bei Konzerten mit Rechtsrock-Bands.

Bahnhofsgebäude

Abgeschieden liegt das ehemalige Bahnhofsgebäude in Ehlenbruch an der Grenze zu Kachtenhausen. Eine lippische Fahne weht an einem Mast, der vor dem rot gestrichenen Haus steht. Nichts deutet auf die Besitzer des unscheinbaren Gebäudes hin, das von Bäumen und Sträuchern umgeben und damit schlecht einzusehen ist. Das nächste Wohnhaus liegt meterweit entfernt. Selbst der Bahnsteig grenzt nicht direkt an das alte Bahnhofsgebäude. Ein idealer Standort für eine Gruppe, die mit ihren Aktivitäten lieber unerkannt und im Verborgenen bleiben will – wie die Road Crew OWL.

Fragt man im Dorf nach den Eigentümern, bekommt man meist die gleiche Antwort: „Das gehört einem Motorradclub, den Freeway Riders.“ Doch in deren Besitz ist der Bahnhof schon seit geraumer Zeit nicht mehr, was der LZ vorliegende Unterlagen belegen. Die ehemaligen Eigentümer, wovon einer als Mitglied der Freeway Riders bekannt ist, haben den Bahnhof an zwei Männer aus Bad Salzuflen und aus Helpup verkauft. Die neuen Besitzer sind beide Mitglieder der Road Crew OWL.

Die hatte von 2007 bis 2011 am Hellweg in Billinghausen ihr Clubhaus. Doch nachdem die LZ damals erstmals über die Aktivitäten der Road Crew berichtet hatte, war sie von dort verschwunden. Wo sie sich danach traf, war lange Zeit unklar. Denn die RC-Mitglieder wurden nach den Zeitungsberichten vorsichtig und schalteten ihre Homepage ab. Nun ist die Road Crew wieder aufgetaucht – und ist offenbar so aktiv wie eh und je.

Es ist noch nicht lange her, da hat im Bahnhof Ehlenbruch die Rechtsrockband „Sleipnir“ aus Verl gespielt. Das belegen LZ-Recherchen, auch der Staatsschutz in Bielefeld weiß von diesem Konzert. Zu dem Auftritt am 8. Juni sind offenbar Rechtsradikale aus ganz Ostwestfalen-Lippe und dem Ruhrgebiet in den Lagenser Vorort gekommen. Songs von „Sleipnir“ heißen beispielsweise „Mein deutsches Volk“, „Bomber über Dresden“ oder „Für mein Land“.

Im ehemaligen Warenlager des Bahnhofs Ehlenbruch gibt es einen Konzertraum. Bühne, Mikros und Boxen sowie einen Backstagebereich hat die Road Crew dort angelegt, das belegen Fotos, die der LZ vorliegen.

Getränke werden im Bahhofsgebäude an einer neuen, mit Edelstahl verkleideten Theke ausgeschenkt, an deren Rückwand ein Eisernes Kreuz hängt. Ein schwarz-weiß-roter Baseballschläger, ein Schild mit einem Stahlhelm und der Aufschrift „Deutsches Schutzgebiet“ sowie Flyer und Poster der bei Rechtsextremen beliebten Hooligan-Band „Kategorie C“ und anderen Gruppen sowie Aufkleber dienen als Dekoration des Clubhauses der Road Crew.

Deren Kontakte zur rechtsextremen Szene und zu anderen Gruppen sind offenbar breit gefächert, was einschlägige Internetveröffentlichungen und Polizeikreise bestätigen. Einige namentlich bekannte RC-Mitglieder haben in Rechtsrockbands gespielt – etwa in der Gruppe „Sleipnir“ – oder spielen inzwischen in anderen Formationen wie der Haus-und-Hof-Band der Road Crew namens „Knock Out“.

Andere RCler sind schon mehrfach bei NPD-Demonstrationen in Aktion getreten, und wiederum andere sind in der Hooligan-Szene oder als Türsteher aktiv – beispielsweise am Ringlokschuppen in Bielefeld. Dort war Ende 2013 ein Türsteher beurlaubt worden, nachdem dessen Mitgliedschaft und Aktivitäten bei der Road Crew öffentlich geworden waren.

Regelmäßig sollen im RC-Clubhaus am Bahnhof Ehlenbruch Treffen, Feiern oder eben Konzerte stattfinden. Darüber hinaus trifft sich die Road Crew OWL mit anderen RC-Gruppen, die es in ganz Deutschland gibt, zu Fußballturnieren. Schon zweimal hat solch eines in Helpup stattgefunden (die LZ berichtete), im August soll wieder eines in OWL ausgetragen worden sein. Die Vermutung, dass wegen der Nähe zum Bahnhof Ehlenbruch auf dem Sportplatz in Kachtenhausen gespielt worden sein könnte, hat sich nicht bestätigt.

Anwohner berichten aber, dass bei größeren Veranstaltungen Geräusche und laute Musik aus der Richtung des Bahnhofs zu hören seien. Auch die vielen Autos auf dem dortigen Parkplatz mit Kennzeichen aus ganz NRW seien ihnen schon aufgefallen. Ansonsten würde man aber nur wenig von den Aktivitäten im und rund um den Bahnhof mitbekommen, da das Gebäude relativ abgeschieden liegt und schlecht einzusehen ist.