ROCKUPY.

Blockupy hat gehalten, was es versprochen hat – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Insgesamt haben über 15.000 Leute den Protest gegen die von Deutschland und der Troika betriebene Verarmungspolitik mehrere Tage lang öffentlichkeitswirksam in eines der politischen Zentren des europäischen Krisenregimes getragen. Gegen die herrschende Ethnisierung des Sozialen („faule Griechen“) und die reformistische Verkürzung des Problems auf eine angeblich fehlende Regulierung des Finanzmarktes („böse Banker“) haben die internationale Orientierung an den sozialen Bewegungen anderswo und die thematische Breite der Aktionen dieses Jahr zentrale Widersprüche des kapitalistischen Krisenregimes als Ganzem deutlich gemacht. Aktionsziele waren u.a. der Abschiebeflughafen, die EZB als politischer Akteur, Innenstadtverdrängung durch Luxussanierungen sowie geschlechtliche Arbeitsteilung und die elenden Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie. Entscheidend für diesen Erfolg war neben der Offenheit für eine radikale Kapitalismuskritik vor allem das solidarische Nebeneinander unterschiedlicher Aktionsformen, von Demos über Blockaden bis hin zu zahlreichen militanten Markierungsaktionen. Doch so schön das alles ist: gemessen an der massiven Verschärfung der sozialen Verhältnisse in Europa ist es immer noch nicht viel. Der Event ist nur so gut, wie auch die Ausweitung antikapitalistischer Bewegung in Alltagskämpfen hinein gelingt. Blockupy war insofern ein Punkt von dem aus es jetzt weiter gehen kann – aber auch weitergehen muss. Die nächste Großmobilisierung zur EZB-Eröffnung 2014 wird nur dann mehr als eine Wiederholung sein, wenn sie zum Kristallisationspunkt einer breiten Bewegung von international vernetzten und lokal verankerten Initiativen wird. (mehr…)